||Taxifahren weltweit | Russisch Roulette für den Geldbeutel

Taxifahren weltweit | Russisch Roulette für den Geldbeutel

Ich bin inzwischen in über 54 Ländern mit dem Taxi gefahren und annähernd überall zeigt sich das gleiche Bild: sobald ich offensichtlich nicht ortskundig bin, werde ich mit solider Wahrscheinlichkeit auf die eine oder andere Art ausgenommen.

» Egal wo in der Welt Du ein Taxi brauchst…

Ob Entwicklungsland oder reiche Industrienation macht hier kaum einen Unterschied. Selbst in meiner Heimatstadt, dem reichen München, drehen schwarze Schafe unter den Taxlern gerne beschauliche Extrarunden, wenn sie meinen norddeutschen Akzent hören und vermuten, dass ich mich nicht auskenne. Bei am Flughafen eintreffenden ausländischen Kollegen bitte ich sie, die Rechnung durch mich bei Ankunft begleichen zu lassen, weil sie sonst nicht selten eine unerwünschte Stadtrundfahrt mitbezahlen. Immerhin kann man sich in der bayrischen Landeshauptstadt beschweren und erhält mit entsprechendem Nachweis den Mehrbetrag erstattet.

Aber, tut das Not? Ist das die Art und Weise, wie wir Besucher in unserem Land empfangen wollen, indem wir sie innerhalb der ersten 30 Minuten erstmal tüchtig übers Ohr hauen? Andere Länder machen da keinen Unterschied oder sind noch schlimmer:

… in Kuala Lumpur stieg ich ortsunkundig ins Taxi, um nach 45 Minuten Rundfahrt später an der gegenüberliegenden Straßenseite einzutreffen.
… in Köln nörgelt mich der Fahrer an, weil er schon so lange wartet und ihm die Strecke zu kurz sei.
… in Hanoi am Flughafen zahlt man sich mit etwas Pech dumm und dämlich für ein Taxi, auch wenn man den Preis vorher verhandelt hat. Was soll man tun, wenn man in der Landessprache erbost beschimpft wird und sich nicht auskennt?
… in Lima und Teilen Südamerikas wird’s dann erst richtig lustig. Gerne werden unbedarfte Taxigäste um die Ecke gefahren und unter Waffengewalt ausgeraubt. Auch Express-Kidnappings sind an der Tagesordnung, wo Reisende mehrere Tage festgehalten werden, bis das Konto am Geldautomaten abgeräumt wurde.

Selbst im schönen Bangkok kann man als Tourist nicht mehr entspannt Tuk Tuk fahren. Nach zähen Preisverhandlungen landet man erst beim Cousin des Fahrers, der Anzüge schneidert, dann beim Bruder, einem Restaurantbesitzer, oder wenn man Pech hat wird man noch in einer Seitengasse ausgeraubt. Vor zwanzig Jahren bewegte ich mich in Bangkok nur per Tuk Tuk, nun meide ich die Fahrer wie die Pest. In ganz Asien hat sich der Stand der Tuk Tuk-Fahrer vom bewährten preisgünstigen Stadtführer fast zu einer Art Mafia entwickelt. Während ich früher nach der Ankunft in Ruhe per Tuk Tuk durch eine Stadt kurvte, um mir diverse Hotels in Ruhe anzuschauen, gab mir ein befreundeter Hotelier aus Sri Lanka den Tipp, dies doch besser zu unterlassen. Schließlich kassiert der Fahrer, wenn er Neukunden ankarrt, bis zu 25% des Übernachtungspreises als Bonus, was natürlich auf den Gast umgelegt wird.

Henning verhandelt mit dem Fahrer eines der pinken Taxis von Bangkok

Die pinken Taxis von Bangkok

Schon beim Gedanken an einem internationalen Flughafen spontan ein Taxi zu benötigen, krampft sich mein Magen zusammen, denn Taxifahren ist für Ausländer inzwischen zur Wissenschaft geworden. Muss man doch vor Ankunft am Besten in diversen Foren recherchiert haben, welche Gesellschaft einen zu welchem Preis nicht übers Ohr haut. Bei fast jeder Hotelbuchung von Amman bis Hanoi erhält man in der Email-Bestätigung den Hinweis: „Be careful with the taxi drivers…“.
Kaum ein Land, in dem das Auswärtige Amt in seinen Reisehinweisen nicht in irgendeiner Form vor Taxifahrten warnt.

Ein typisch bunten Sammel-Tuk Tuk mit großer Ladefläche am Flughafen von Luang Prabang in Laos

Ein typisches Sammel-Tuk Tuk am Flughafen von Luang Prabang in Laos

» Erklärungsversuch

Doch woran liegt dieser globale Missstand? Klar öffnet das Taxigeschäft Tür und Tor für Betrug. Es ist intransparent, nicht von Onlinebewertungen abhängig, man kennt vermeintliche Abkürzungen nur als Ortsansässiger, beherrscht die Sprache nicht und gibt sich letztlich vertrauensvoll in die Abhängigkeit der Aufrichtigkeit des Fahrers. Erschwerend hinzu kommen die Geschäftsreisenden, denen der Betrag ohnehin egal ist, da es sich um Spesen handelt, die zurückerstattet werden. Kurz: Feststellen und Nachweisen des Betrugs sind annähernd unmöglich.

Sind viele Menschen folglich im Grunde ihres Herzens moralisch wenig sattelfest und von Gier getrieben, sobald sich die Gelegenheit ergibt, ohne Rüge jemanden übers Ohr zu hauen? Ich denke mit Ausnahmen leider ja.

» Gibt es noch ehrliche Fahrer?

Doch es gibt sie auch, die zahlreichen ehrlichen Fahrer, die einem das Leben mit einem Lächeln erleichtern. Ich denke an Izaak aus Tel Aviv, der keine Mühe scheute, mir meine achtlos im Taxi vergessene Kamera bis nach Nazareth nachzuliefern, obwohl er sie auch einfach für 400 € hätte verscherbeln können. Ich denke an Ahnong in Laos, der uns mangels funktionierender Geldautomaten Bargeld für die Fahrt und ein Essen vorstreckte, ohne zu wissen, ob wir jemals unsere Schuld begleichen würden. Beide Fahrer wurden auf meinen Reisen im Land zum steten Begleiter und für ihre Ehrlichkeit durch guten Umsatz belohnt. Ist man doch froh zu wissen, dass man in einem Land keinem Betrüger auf den Leim geht. Die Zahl der schwarzen Schafe ist groß im Taxigeschäft und ich wünsche allen ehrlichen Fahrern, dass sie von ihren Fahrgästen für ihre Aufrichtigkeit ebenso belohnt werden wie Izaak und Ahnong.

Ihr Fahrer seid meist die ersten Einheimischen, die die Gäste in der Stadt oder im Land willkommen heißen – bringt die ehrlichen Fahrer nicht in Misskredit! Nur weil man mit annähernder Sicherheit für einen Betrug nicht erwischt werden kann, bleibt es stets ein solcher. Auch wenn kein Richter diesen jemals ahnden wird, so betrügt ihr jemanden wie Euch selbst, der seine Sicherheit in der Fremde vertrauensvoll in Eure Hand gibt. Enttäuscht dieses Vertrauen nicht!

Seid Ihr im Taxi  auch mal übers Ohr gehauen worden? Dann behaltet diese Geschichte für Euch. Schließlich habe ich den vielen ehrlichen Taxifahrern mit diesem Artikel genug Unrecht getan. Denn diese leiden ebenso unter den zahlreichen schwarzen Schafen in ihrem Berufsstand. Schreibt daher lieber von den guten Taxi-Erfahrungen mit Fahrern, die Euch einmal oder regelmäßig aus der Patsche geholfen haben. Vielleicht bekehrt Ihr damit den Einen oder Anderen.

 » Empfehlung

Wenn Ihr wissen wollt wie Ihr Euch auf schwarze Schafe im Taxi-Business vorbereiten könnt, lest Teil 2: 12 Tipps günstig und sicher an ein Taxi zu kommen.

Von |2017-11-21T14:52:22+00:0023. Februar 2017|REISEGEDANKEN|

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